Glocke 27-10-2016

 

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Bürgerinitiativen enttäuscht über Bürgerinitiativen

 Warendorf / Freckenhorst  Der runde Tisch für gemeinsame Gespräche war gedeckt, aber die Gastgeber warteten vergeblich auf die Eingeladenen. Nun scheint das Tischtuch zerschnitten: Die Gegner der Warendorfer B 64n-Südumgehung, die auf eigene Initiative und Kosten den Befürwortern einer Freckenhorster L 547n-Westumgehung mit einem konstruktiven Vorschlag entgegenkommen wollten, sind über die barsche Zurückweisung enttäuscht.

Am Dienstagabend, fast zeitgleich mit einer öffentlichen Versammlung der Umgehungsstraßenbefürworter in Freckenhorst (siehe weiteren Bericht in dieser Ausgabe) machten Vertreter der B 64n-kritischen „Bürgerinitiative Verkehrskonzept Warendorf“ (BVW) und der „Interessengemeinschaft Warendorf-Süd“ (IWS) ihrem Unmut über die Gesprächsverweigerung seitens der führenden Köpfe von „Pro Umgehungsstraßen Warendorf und Freckenhorst“ sowie „Freckenhorster für die Umgehung“ in einem Pressegespräch Luft – im Hause Kremann in Neuwarendorf, in Sichtweite der infrage kommenden Straßentrassen.

Während „Pro Umgehungen“ immerhin abgesagt habe mit der Begründung, die jeweiligen Vorstellungen lägen zu weit auseinander, habe die Führung der anderen Initiative die Gesprächsangebote von BVW und IWS mit Nichtbeachtung quittiert.

Fast 5000 Euro haben BVW und IWS aus ihren Rücklagen für die Erarbeitung eines Kompromissvorschlags für eine ortsnahe Freckenhorster Westumgehung durch ein Fachplanungsbüro („Planersocietät“) ausgegeben. Dass sich die Freckenhorster Initiativen an den Kosten nicht beteiligt haben, sei noch zu akzeptieren. Dass die Vorschläge der Diplom-Ingenieurin Anne Mechels, die in einer öffentlichen Versammlung in Freckenhorst vorgestellt wurden, von Detlef Bäumer, CDU-Ratsherr und einer der Wortführer der „Freckenhorster für die Umgehung“, in öffentlichen Äußerungen in Bausch und Bogen abgeschmettert worden seien, bringt Bernhard Kremann (BVW) auf die Palme.

Jetzt wollen die B 64n-Kritiker, auch ohne Rückendeckung aus Freckenhorst und von der offiziellen Warendorfer Politik, versuchen, NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) davon zu überzeugen, die Möglichkeiten der Realisierung der von der Verkehrsplanerin aufgezeigten und sowohl von BVW als auch vom Vorstand der IWS befürworteten Alternativtrasse zumindest prüfen zu lassen.

 Hintergrund

Die von der „Planersocietät“ aufgezeigte Variante 3 einer ortsnahen Freckenhorster Westumgehung  sieht eine ebenerdige Verknüpfung mit bestehenden Straßen vor. Kreisverkehre an der Hoetmarer -, Everswinkeler -, Gänse -, Feidiekstraße / Waterstroate und schließlich an der Freckenhorster Straße sollen dafür sorgen, dass nicht nur der überörtliche Durchgangsverkehr, sondern auch der Ziel- und Quellverkehr aus Freckenhorst und Warendorf die Straße nutzt und somit die bisherigen Ortsdurchfahrten möglicherweise noch stärker entlastet als eine weiträumiger um den Westen Freckenhorsts geführten Kraftfahrstraße mit Brückenbauwerken und weniger Anschlusspunkten. Der seit drei Jahrzehnten geplanten Ausbau der Waterstroate als zweite Verbindung zwischen den Stadtteilen Warendorf und Freckenhorst könne problemlos dort angeschlossen werden. Das bestehende Netz an Wirtschaftswegen werde nicht zerschnitten.

 Pragmatischer Kompromiss unabhängig von B 64n

Warendorf / Freckenhorst . Die ortsnahe Trasse hätte aus Sicht der B 64n-Gegner vor allem den Vorteil, dass sie auch ohne den Bau einer B 64n schon bald realisiert werden könnte. Dass dieses „überdimensionierte Monstrum nie gebaut wird“, dessen ist sich Bernhard Kremann sicher. Zumindest würden BVW und IWS die B 64n mit allen Mitteln – bis zur Klage in letzter Instanz – zu verhindern versuchen. Hinter der BVW stünden auch die Grundeigentümergemeinschaft, die Landwirtschaft und auch die „Unternehmerinitiative gegen die B 64n“. Geld, um betroffene Grundeigentümer in ihrem juristischen Kampf um ihren Grund und Boden zu unterstützen, würde bereits seit Jahren systematisch gesammelt, machte Albert Leendertse (IWS) deutlich.

Insofern sei es alles andere als pragmatisch, weiterhin an einer Verknüpfung der (notwendigen) Freckenhorster Umgehung mit dem (unrealistischen) Bau einer B 64n festzuhalten, schüttelt Theo Aldejohann (BVW) über die starre Haltung der Freckenhorster Initiativen den Kopf.

Und Ulrich Brinkmann, der selbst Grundeigentümer im Bereich der potenziellen Trasse ist, hat persönlich bereits von einem Großteil der Grundeigentümer, die von einem Bau der ortsnahen Westumgehung tangiert werden, signalisiert bekommen, dass sie für diese Lösung verkaufen würden – ganz anders als diejenigen, die von einer Trasse der B 64n in der Dimension einer Kraftfahrstraße betroffen wären.

Bernd Kremann und seine BVW wollen durch den neuen Vorschlag für Freckenhorst deutlich machen, dass die Initiative Straßenneubau nicht grundsätzlich verweigere. Und Albert Leendertse stellt heraus, dass sich der Vorstand seiner IWS durch Zustimmung zur Beteiligung an dem Planerauftrag ganz erheblich in Richtung Kompromiss bewegt habe – auch wenn ein Teil der Mitglieder weiterhin aus ökologischen Gründen strikt gegen jede Form von Straßenneubau sei. Das sei auch der Grund, warum die IWS offiziell keine Bewertung der Trassen-Alternativen vornehme.

 Zitat

„Die Umstrittenheit der Südumgehung Warendorf könnte sich letztendlich als Verzögerung oder gar Gefährdung von Planung und Bau der L 547n auswirken. Deshalb sollte die Planung der dringend notwendigen Westumgehung Freckenhorst gerade auch im Interesse der Freckenhorster von der Südumgehung Warendorf abgekoppelt werden.“

Auszug aus einer Stellungnahme der IWS zur Umweltverträglichkeitsstudie zur B 64n vom 17. November 1995, vor 21 Jahren

 

Kommentar von "Glocke"-Redaktionsmitglied Peter Wild:

Statt Selbsthilfe ist Politik gefragt

Kaum zu glauben, aber es ist eine weitere Episode in der scheinbar endlosen Geschichte von Missverständnissen zwischen „Warendorf“ und „Freckenhorst“: Vier Bürgerinitiativen, die sich alle für den baldigen Bau der L 547n-Westumgehung in Freckenhorst einsetzen, schaffen es nicht, sich an einen Tisch zu setzen, weil zwei davon konsequent gegen die B 64n-Südumgehung in Warendorf sind. Sie sind zerstritten in der Frage, ob der Bau der Freckenhorster auch ohne die Warendorfer Umgehung möglich wäre oder ob das Schicksal beider Projekte auf Gedeih und Verderb miteinander verknüpft sein muss.

Zugegeben: Es gibt gute Gründe für die eine wie die andere Argumentation, aber es gibt keinen Grund, wegen unterschiedlicher Meinungen nicht miteinander reden zu wollen. Erst recht nicht, wenn eine Seite Kompromissbereitschaft signalisiert und dafür Gehirnschmalz und sogar privates Geld investiert. Während „Pro“ an der von der offiziellen Politik vorgegebenen Linie festhält, gehen BVW und IWS eigene Wege, um den festgefahrenen Karren flott zu bekommen. Dieses Engagement ist einerseits zu honorieren, andererseits aber auch fragwürdig. Denn es kann nicht sein, dass kritische Bürger quasi in der Organisationsform einer Selbsthilfegruppe Fachplaner beauftragen und bezahlen, um Pläne für öffentliche Straßenbauprojekte zu machen und damit dann beim Verkehrsminister vorstellig zu werden. Dies ist nicht Aufgabe von Privatleuten, sondern der Politik. Der Bürgermeister und der Rat sollten das Heft des Handelns wieder selbst in die Hand nehmen, das Thema „lokale Interessen an einer überörtlichen Straßenplanung“ offiziell auf die kommunalpolitische Agenda setzen.

Und sie sollten dazu einladen, dass sich konkurrierende Bürgerinitiativen, die sich so oder so seit Jahren mit dem Thema auseinandersetzen und Expertenwissen angehäuft haben, an einen Tisch setzen. Denn deren viel zitierte „Schwarmintelligenz“ reicht offenbar nicht so weit, selbst zueinander zu finden.

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Stand: 29. August 2016