IWS

Interessengemeinschaft Warendorf-Süd

Glocke 29-12-2015

 

Home
IWS Neuigkeiten
Termine
Wir über uns
IWS Aktiv
Presse
Karten
Visualisierung
Archiv
Zusammenarbeit

 

  

 

Straßenbau: Wenn der Hof weggeplant wird

(von "Glocke" - Redaktionsmitglied Nicole Fenneker)

Warendorf (gl). Die Sonne schickt ihre letzten warmen Strahlen des Jahres nieder, Kühe grasen auf einer Weide in der Nähe, eine Radlerin fährt vorbei. Reinhard Petermann grüßt die Bekannte freundlich. „Das wird es dann alles hier nicht mehr geben“, sagt er dann. Wenn die Umgehungsstraßen nach derzeitigem Planungsstand gebaut würden, gäbe es dort im Westbezirk nicht nur keine Wiesen und Radwege mehr, sondern vor allem auch: keinen Hof Petermann.

Wie lebt es sich mit einer solchen Aussicht? Darüber hat die „Glocke“ mit Reinhard Petermann und seiner Frau Anni gesprochen.

Irgendwo muss eine Umgehungsstraße ja gebaut werden. Das betont Reinhard Petermann immer wieder. Und es könne ja auch nicht jeder sagen: nicht vor meiner Tür, nicht über meinen Hof. „Irgendwer muss den Kopf hinhalten.“ Doch, so sagt es der 61-Jährige: Wenn eine Bundesstraße 64 Münster und Bielefeld miteinander verbinden würde, dann müsste sie bei einem geraden Verlauf anderswo gebaut werden. Auch würde im Westbezirk sehr viel Natur zerstört. „Ob das gerechtfertigt ist?“ Eine Umgehungsstraße für Warendorf müsste zudem auch den Warendorfern zugute kommen, findet Petermann. Mit der jetzigen Planung „müssten sich die Leute aus Neuwarendorf genauso durchquälen wie jetzt auch“. Und überhaupt: „Warum muss es so ein Riesenkreuz geben?“ Inzwischen sind die Eheleute Experten in Sachen Umgehungsstraßen.

Petermann ist auf dem Hof aufgewachsen, schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater lebten dort. Ländereien in der Umgebung gehören zur Scholle. Petermann, der hauptberuflich als Lagerist arbeitet, hält noch immer nebenberuflich Ammenkühe. Bei ihnen bleiben die Kälber für ein halbes Jahr nach der Geburt. „Ein Hof ist ja etwas anderes als eine Wohnung“, sagt er. Man kann ihn nicht leichten Herzens aufgeben. Es wäre wie eine Zwangseinweisung, eine Enteignung.

Denn auch was das Finanzielle angeht, kann man den Hof nicht leichter Dinge verlassen. „Nach unseren Informationen kommt ein Schätzer, und man erhält den Zeitwert ersetzt“, sagt Reinhard Petermann. Für die Ländereien würde es einen kleinen Betrag geben, „Peanuts“. Alles in allem: äußerst wenig. Und jedenfalls nicht genug, um sich anderswo eine gleichwertige Hofstelle zu kaufen. Ob sie das überhaupt wollten, wissen die Petermanns nicht.

 

 Ungewissheit ist das Schlimmste

Warendorf (fen). Vor allem ist Anni Petermann traurig wegen ihrer Söhne Thorsten und André, 27 und 24 Jahre alt. Sie hätten schon darüber nachgedacht, auf dem Hof anzubauen oder umzubauen. Doch diese Pläne liegen jetzt erst einmal auf Eis. „Es ist immer so ein komisches Bauchgefühl“, sagt Reinhard Petermann über die ungewissen Aussichten. „Als wenn man eine schwere Operation vor sich hätte.“ Und man frage sich: „Will man noch investieren?“

„Dass man nicht weiß, was passiert“ – diese Ungewissheit sei das Schlimmste, sagt Anni Petermann. Die 60-Jährige lebt seit der Hochzeit 1983 auf dem Hof. „Wenn wir wüssten, so in zwei Jahren müssen wir raus sein – dann könnte man planen und sich in aller Ruhe Alternativen überlegen.“ Reinhard Petermann hat an dem Hof viel selbst Hand angelegt. „Wenn man etwas gemacht hat, will man ja auch was davon haben“, sagt er. Mit dem Hof wäre ein Stück vom eigenen Leben weg, sagt seine Frau.

Geplant für den Tag X haben die Petermanns noch nicht. Denn vielleicht kommt die Straße die nächsten Jahrzehnte ja doch nicht – oder nie. Dass irgendwann tatsächlich Bagger anrücken und der Hof kurze Zeit später Geschichte ist: „Das will man sich gar nicht vorstellen“, sagt Reinhard Petermann. „Wir hoffen einfach, dass es nichts wird.“

 

Hintergrund

Seit Jahrzehnten wird über den Bau von Umgehungsstraßen für Warendorf und Freckenhorst diskutiert. In diesem Jahr haben die Planer des Landesbetriebs Straßen.NRW zwei neue Varianten vorgestellt. Beide würden dazu führen, dass der Hof Petermann verschwindet.

Statt wie zuvor geplant zwei Knotenpunkte gäbe es nach den neuen Varianten nur noch einen, der die beiden Umgehungsstraßen miteinander verknüpfen würde. Die Variante 1 sieht ihn etwa auf Höhe des Hofs Petermann vor. Dann würden die Straßen nicht an die bestehende Landesstraße 547 zwischen Warendorf und Freckenhorst angeschlossen. Bei der zweiten Variante würden die Straßen zunächst parallel geführt und dann an der L 547 miteinander und mit dieser Straße verbunden.

Vertreter des Landesbetriebs stellten in diesem Jahr im Warendorfer Planungsausschuss Prognosen vor, denen zufolge beide Varianten Warendorf und Freckenhorst beim Verkehrsaufkommen erheblich entlasten würden. Bei den Berechnungen ihrer Prognosen nahmen die Planer jedoch an, dass verschiedene Voraussetzungen erfüllt sind, etwa dass die Stadtstraße Nord vollendet ist und der Bahnverkehr zwischen Münster und Rheda verbessert wird.

Nun warten alle Beteiligten auf die Veröffentlichung des Bundesverkehrswegeplans. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat diese unlängst auf 2016 verschoben. Wenn die B 64n darin unter der Rubrik „vordringlicher Bedarf“ bleibt, kann die Planung weitergehen. Wird sie herabgestuft, würde das Projekt wohl auf Eis gelegt.

 

 

 

IWS Neuigkeiten ] Termine ] Wir über uns ] IWS Aktiv ] Presse ] Karten ] Visualisierung ] Archiv ] Zusammenarbeit ]

horizontal rule

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: iws@b64n-nein.de  
Copyright © 2001
Stand: 28. Mai 2015