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Nutzenanalyse B 64n

 

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NRW-Verkehrsminister Michael Groschek MdL hat zum Runden Tisch am 2. Juli 2015 in Düsseldorf eingeladen. Es soll auch diesmal um die "Bundesstraße 64 zwischen Warendorf und Rheda-Wiedenbrück" gehen.

Unsere Bürgerinitiative ist im Folgenden der grundsätzlichen Frage nach der Notwendigkeit der geplanten Straße B 64n nachgegangen. Diese Frage stellt sich vor allem im Zusammenhang mit der Aufstellung des neuen Bundesverkehrswegeplans BVWP 2015. Die Ermittlung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses (NKV) und dessen Ergebnis stellen erklärtermaßen das entscheidende Kriterium für die Entscheidung dar, ob ein bestimmtes Projekt in den genannten Straßenbau-Bedarfsplan aufgenommen werden soll oder nicht.

Ausgehend von der erklärten Zweckbestimmung für Bundesfernstraßen kommen wir bei unserer Analyse im Blick auf die B 64n-Planung zu folgendem Ergebnis:

Nutzenanalyse B 64n

Zweck von Bundesstraßen

Bundesstraßen dienen in erster Linie dem überregionalen Verkehr. Das heißt der Verbindung von Oberzentren, im Falle der geplanten B 64n also der Städte Münster und Bielefeld.

Auf diesen Aspekt wird für die Begründung der B 64n vonseiten der Befürworter immer wieder Bezug genommen.

Vergleich der nutzbaren Routen

Mit den derzeit in Planung befindlichen Umfahrungen wäre eine Reisezeitverkürzung von etwa 12 Minuten zu erreichen.

Um den Nutzen der geplanten Baumaßnahme für die Verbindung der Oberzentren Münster und Bielefeld zu ermitteln, ist ein Vergleich möglicher Wegstrecken angezeigt.

Auf der folgenden Abbildung 1 ist zu erkennen, dass die derzeitige Reisezeit über die B 64 und die A 2 eine Stunde und 27 Minuten beträgt:

 

 

Die Abbildung 2 zeigt die von Google Maps unter Berücksichtigung des aktuell zur Verfügung stehenden Straßennetzes favorisierte Route über das Kamener Kreuz. Die Fahrzeit beträgt eine Stunde und 21 Minuten. Diese Strecke ist also trotz der höheren Kilometerzahl bereits jetzt sechs Minuten schneller als der Weg über die B 64:

 

 

Abbildung 3 zeigt die Route über Osnabrück, die bereits jetzt dieselbe Reisezeit aufweist wie die Route über die B 64. Nach dem in absehbarer Zeit erfolgten A 33-Lückenschluss wird sich die Reisezeit auf dieser Route bald deutlich verkürzen:

 

 

Damit sind bereits heute die Routen über die Autobahnen schneller und sicherer als die B 64 plus A 2. Ein Ausbau der B 64 mit den drei geplanten Ortsumfahrungen würde keinen wesentlichen Vorteil (ca. zwölf Minuten) für die regionale Verbindungswirkung bedeuten. Demgegenüber bringt der Lückenschluss der A 33 einen Zeitvorteil von etwa 15 Minuten.

Vergleich der Fahrzeiten per Bahn

Der Zug von Bielefeld nach Münster benötigt heute folgende Fahrzeiten:

mit der Regionalbahn über Hamm: eine Stunde und 22 Minuten

mit der Regionalbahn über Warendorf: eine Stunde und 31 Minuten

mit dem Regionalexpress und Fernverkehr: eine Stunde und zwei Minuten.

Zum Vergleich die schnellste PKW-Verbindung: eine Stunde und 21 Minuten.

Auch wenn es sich hier lediglich um die Reisezeiten von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof handelt, stellt die Bahn bereits heute für Teile des Pendlerverkehrs eine gute Alternative dar.

Durch einen Ausbau der Kursbuchstrecke 406 – der „Warendorfer“ - wäre eine weitere Zeitersparnis von 20 Minuten zu realisieren. Mit der dann anfallenden Reisezeit von einer Stunde und elf Minuten könnte sich die Fahrt mit der Bahn für noch mehr Pendler empfehlen.

Zudem sind die o. g. Reisezeiten auf der B 64 zu Stoßzeiten nicht zu realisieren, da es vor allem vor Münster zu großen Rückstauungen bei der Einfahrt in die Stadt kommt. Diese Rückstauungen werden auch durch den nun begonnenen Ausbau der Umgehung Münster nicht komplett beseitigt werden können. Da der Zug auch zur Rushhour pünktlich fahren kann, wird die Attraktivität der Bahn gegenüber dem PKW für Pendler noch größer.

LKW-Verkehr

Derzeit ist aufgrund der LKW-Maut auf Autobahnen ein hoher Anteil an Mautflüchtlingen auf der B 64 unterwegs. Nach der vorgesehenen Ausweitung der LKW-Maut auf Bundesstraßen wie z. B. die B 64 wird dieser Anteil sinken. Zumal die A 33 dann ebenfalls fertig gestellt sein wird und es für LKW somit noch interessanter wird, die Autobahnen als Verbindung der Oberzentren zu nutzen.

Ein ungünstiger Effekt geht zudem von Navigationssystemen aus, die auf einem Straßenzug nicht von der tatsächlich fahrbaren Geschwindigkeit, sondern unrealistisch auf der Grundlage der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von einer Durchschnittsgeschwindigkeit ausgehen. Gerade für den Ziel- und Quellverkehr erweist sich dann die gewählte Route als unpassend. Kreis- und Landstraßen sind in der Regel von LKW nicht mit der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit zu befahren. Wenn in Stoßzeiten dann noch die zeitweise Verkehrsdichte als weiterer verzögernder Faktor hinzukommt, stellt sich die Routenwahl umso mehr als unpassend heraus. Dies trifft in nicht zu unterschätzender Weise auch auf die B 64 zu.

Für den derzeitigen Verkehr auf den B 64-Ortsdurchfahrten wirken sich darüber hinaus die stark überalterten Signalanlagen erschwerend aus. Sie bedürften dringend einer Modernisierung.

Auch könnten der Verkehrssituation angepasste Geschwindigkeitsbegrenzungen indirekt dazu verhelfen, die LKW auf  schnellstem Weg von der Autobahn zum Kunden zu führen und somit auch den LKW-Anteil auf der B 64 zu reduzieren.

Fazit

Sowohl für LKW als auch für PKW ist die Verbindung der Oberzentren Münster und Bielefeld mit den vorhandenen und im Bau befindlichen Autobahnen besser gegeben als über die B 64. Der Bau der zurzeit geplanten drei Ortsumfahrungen Warendorf, Beelen und Herzebrock-Clarholz brächte somit keine Vorteile für die überregionale Verbindungswirkung, ihm stünden aber sehr hohe volkswirtschaftliche Kosten gegenüber.

Mit deutlich günstigeren und aus Sicherheitsgründen ohnehin angezeigten Ausbaumaßnahmen an der Bahnlinie könnte die Kursbuchstrecke 406 künftig eine echte Alternative für Pendler darstellen, die heute noch mit dem PKW fahren.

Die derzeit bereits in Umsetzung befindlichen Maßnahmen - A 33 Lückenschluss einerseits und Ausweitung der LKW-Maut auf Bundesstraßen andererseits– werden für die B 64 eine deutliche Reduzierung des Schwerlastanteils zur Folge haben.

Angesichts knapper öffentlicher Mittel sollte gegenüber aufwendigem Straßenneubau kostengünstigen Maßnahmen der Vorzug gegeben werden. Durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Kreis- und Landstraßen, die zudem der Verkehrssicherheit dienen würde, könnte indirekt eine zusätzliche Entlastung der B 64 vom Schwerlastanteil erreicht werden. Solche Maßnahmen kommen nicht nur den Anliegern, sondern auch den Speditionen zugute, da die klarere Verkehrsführung die Fahrzeiten verkürzen kann und sowohl Fahrer als auch Material (z. B. die Straßenbeschaffenheit) weniger belastet.

Die Verbindung der Oberzentren Münster und Bielefeld ist über das Angebot an vorhandenen und im Bau befindlichen Autobahnen schneller zu erreichen als über B 64 und A 2. Es ist deshalb nicht einzusehen, dass zu dem genannten Zweck eigens eine neue Autoschnellstraße dieses Ausmaßes in die Landschaft gesetzt werden soll. Der hohe finanzielle Aufwand, der umfängliche Flächenverbrauch und die Umweltbelastungen, die sich aus der weiteren Planung und dem Bau der B 64n ergäben, sind keinesfalls zu rechtfertigen. Die geplante Bundesfernstraße B 64neu ist überflüssig!

Warendorf, den 22. Juni 2015

 

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Stand: 28. Mai 2015