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Westfälische Nachrichten 22-07-2015

 

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Ortsumgehung Freckenhorst

Umsetzung der fünf "V's" (Leserbrief Thomas Lins)

Ab Mitte Juli hat sich Freckenhorst nicht wie sonst in jedem Jahr üblich nur grün-weiß geschmückt, sondern auch mit einer Anzahl von rot-weiß-blauen Schildern tapeziert. Letzteres soll der Forderung nach einem Umfahrungsstraßenbündel für Freckenhorst Nachdruck verleihen.

Natürlich weiß ich, dass es beinahe ein Sakrileg ist, in Freckenhorst gegen die Umfahrungsstraßen zu sein. Natürlich weiß ich auch, dass die Verkehrsbelastungen vor allem an der Warendorfer und Hoetmarer Straße heftig sind. Das mindert die Wohnqualität und ist für die Lebensqualität insgesamt im Stadtteil beeinträchtigend.

Aber der Bau neuer Straßen vom Kaliber der B64n und L547n wird die Verkehrsleistung insgesamt erhöhen und damit auch Energieverbrauch und Emissionen ansteigen lassen. Behauptungen, die dies in Frage stellen und gerne Stop-and-Go-Verkehr mit flüssigem Verkehr vergleichen, sind wissenschaftlich falsch. Neue Straßen induzieren neuen Verkehr und sorgen für höhere Emissionen. Ebenfalls falsch ist das früher gerne vom ADAC kolportierte Ammenmärchen, dass der Straßenverkehr sich durch Steuern selbst mehr als finanziere. Diese Aussagen berechnen nur die reinen Straßenbau- und Unterhaltungskosten, nicht aber die volkswirtschaftlichen Kosten durch Rettungswesen, Unfallauswirkungen und Schädigungen der Umwelt. Noch ein weiteres Problem wird in der Diskussion gerne ausgeklammert: der riesige Flächenfraß der Straßen. Ich empfinde es als Frevel und längst nicht mehr zeitgemäßem Umgang mit der Schöpfung, diese großflächigen Umfahrungsstraßen zu bauen. Auch die Befürworter der neuen Straßen werden sich nach einer möglichen Realisierung wundern, welche Einschnitte in die Landschaft die neuen Straßen bewirken und wie viel Verkehr trotz allem noch in Freckenhorst bleiben wird. Denn ein nicht geringer Verkehrsanteil ist hausgemacht und der Verkehr aus Richtung Westkirchen und Buddenbaum nach Warendorf und Münster und umgekehrt wird innerörtlich bleiben.

Ich bin überzeugt davon, dass es ein Mehr an Straßen angesichts des Klimaschutzes, abnehmender Bevölkerung und immenser Kosten für den Straßenbau nicht geben darf. Schon die Instandhaltung des bestehenden Straßen- und Schienennetzes übersteigt offensichtlich die finanziellen Möglichkeiten der öffentlichen Hand.

Und wie viele „Freckenhorsts“ und „Warendorfs“ wird es in Deutschland geben? 1.000 oder 10.000 oder mehr? Alles Städte, Dörfer oder Stadtteile, die ebenfalls unter dem hohen Straßenverkehrsaufkommen leiden und mit gleicher Berechtigung eine Entlastung fordern. Eine Umsetzung all dieser Straßenmaßnahmen konterkariert finanzielle und ökologische Nachhaltigkeitsziele auf Jahrzehnte und dient eben nicht dem Gemeinwohl, was die Befürworter einer antiquierten Straßenneubaupolitik gerne suggerieren wollen.

Denn wir wissen seit mindestens zehn Jahren, dass wir dringend etwas für den Klimaschutz tun müssen und die CO2-Emissionen senken müssen. Deutschland hat sich auf den Weg gemacht, um im Bereich der Industrie, der Energieerzeugung und der Energieeinsparung durch Dämmung und effektivere Heizungen CO2 einzusparen. Über die Geschwindigkeit des Wegs mag man geteilter Meinung sein, aber immerhin gibt es hier Erfolge in Bezug auf die Zielvorgabe. So sind von 1990 bis 2010 bei der Energie-Erzeugung die Emissionen um 18%, bei der Industrie um 26% und bei den privaten Haushalten um 22% gesunken. Einzig der Verkehrsbereich hat um 20% zugelegt (Quelle Umweltbundesamt).

Lösungsansätze einer Umwelt- (und Menschen-)orientierten Verkehrspolitik liegen in der Umsetzung der fünf „V’s“: Vermeidung von Verkehr, Verlagerung auf umweltfreundlichere Verkehre, Verlangsamung des Verkehrs, Verbesserung der Technik und Veränderung des Bewusstseins. Dies hätte ein Maßnahmenbündel zur Folge wie verbesserte Ampelschaltungen, Tempo-30-Regelung in ganz Freckenhorst, attraktivere Busverbindungen, Fahrradschnellstraßen, Kampagnen wie „Zu Fuß zum Kindergarten oder zur Grundschule“, Restriktionen der Durchfahrt.

Es bleibt aber festzustellen, dass allein mit lokalen Maßnahmen die Verkehrsprobleme in Freckenhorst zwar zu mindern, aber nicht zu lösen sind. Es müssen überörtliche Maßnahmen greifen, die andere Prioritäten setzen als die bisherige Straßen-Vorrang-Politik. Dafür setze ich mich im Verkehrsclub Deutschland auch politisch ein.

Thomas Lins, Verkehrsclub Deutschland (VCD), Vorsitzender Regionalverband Münsterland

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Stand: 28. Mai 2015